Warum auch gute Kraulschwimmer den Koyawa Kraulkurs ansehen sollten
Ein Triathlet schwimmt die 3,8 Kilometer beim Ironman ungefähr in einer Stunde.
Vielleicht 58 Minuten, vielleicht 62.
Das ist definitiv kein schlechter Schwimmer.
Wenn derselbe Athlet aber auf dem Rad und beim Laufen nahezu mit der Spitze seines Leistungsbereichs mithalten kann, fehlen ihm beim Schwimmen möglicherweise trotzdem zehn Minuten.
Und diese zehn Minuten sind nicht nur ein Problem für die Endzeit.
Du kommst mit einer anderen Gruppe aus dem Wasser, startest das Radfahren aus einer schlechteren Position und hast psychologisch von Anfang an das Gefühl, Zeit zurückholen zu müssen.
Also stehen wir am Beckenrand und wollen herausfinden:
Warum schwimmt ein sehr gut trainierter Ausdauerathlet nicht schneller?
Meine erste Frage ist dabei fast immer dieselbe:
Kannst du mir erklären, wie Kraulschwimmen funktioniert?
Kannst du Kraulen erklären – oder nur vormachen?
Bei Triathleten, die ungefähr eine Stunde über die Ironman-Distanz schwimmen, bekomme ich meistens schon eine brauchbare Antwort.
Sie haben eine Vorstellung davon, wie der Armzug unter Wasser aussehen sollte. Sie kennen bestimmte Bewegungen und manche haben sogar schon ein Gefühl dafür, welche Rolle der Rhythmus spielt.
Bei deutlich schwächeren Schwimmern sieht das häufig anders aus.
Dann höre ich:
„Erklären kann ich es nicht – aber ich kann es dir zeigen.“
Und genau hier liegt für mich eines der grundlegenden Probleme beim Kraulenlernen im Erwachsenenalter.
Wenn du nicht verstehst, wie die Bewegung funktionieren soll und warum, kannst du sie nur schwer gezielt verändern.
Du wiederholst dann vor allem das, was du ohnehin schon machst.
Erwachsene übertragen Erfahrungen aus Radfahren und Laufen ins Wasser
Das ist eigentlich vollkommen logisch.
Wenn es beim Radfahren schwer wird, schaltest du in einen leichteren Gang.
Wenn beim Laufen das Tempo zu hoch wird, werden die Schritte häufig etwas kürzer und die Bewegung ökonomischer.
Wir lernen also:
Wenn Widerstand entsteht, versuche ihn zu reduzieren.
Beim Schwimmen kann genau dieser Instinkt aber in die falsche Richtung führen.
Das Wasser bietet Widerstand. Also versucht der Körper, diesem Widerstand auszuweichen.
Der Ellbogen fällt beim Unterwasserzug ab, die Hand sucht einen leichteren Weg durchs Wasser und gleichzeitig wird häufig die Armfrequenz erhöht.
Man bewegt die Arme schneller – aber nicht unbedingt mehr Wasser nach hinten.
Für einen effizienten Kraulstil ist das eine schlechte Entwicklung.
Dazu kommt die Atmung.
Statt dass die Atmung in einen funktionierenden Schwimmrhythmus integriert wird, beginnt der Schwimmer häufig, seinen gesamten Rhythmus an die Atmung anzupassen.
Und wenn das alles nicht schnell genug ist?
Dann wird einfach mehr geschwommen.
Die Ausdauer verbessert sich. Vielleicht wird man dadurch auch etwas schneller.
Aber gleichzeitig werden die vorhandenen Bewegungsmuster tausende Male weiter eingeübt.
Mehr Training macht eine falsche Bewegung nicht automatisch richtiger.
Bei guten Schwimmern wird es komplizierter
Bei einem Triathleten, der bereits um die 60 Minuten schwimmt, sieht die Situation meistens anders aus.
Diese Athleten schwimmen oft schon seit vielen Jahren.
Sie haben viel trainiert, zahlreiche Technikübungen gemacht und wahrscheinlich schon mehrere Trainer oder Schwimmexperten erlebt.
Genau das kann aber Teil des Problems sein.
Der eine sagt:
„Dein Ellbogen fällt ab.“
Der nächste sagt:
„Du musst mehr Beinschlag machen.“
Der dritte:
„Du atmest zum falschen Zeitpunkt.“
Jede dieser Beobachtungen kann für sich genommen stimmen.
Aber die entscheidende Frage lautet:
Wie passt das alles zusammen?
Denn Kraulschwimmen ist keine Sammlung einzelner Bewegungen.
Es ist eine koordinierte Gesamtbewegung.
Und für mich beginnt diese Analyse beim Rhythmus.
Der Kraulrhythmus kommt zuerst
Bevor ich darüber diskutiere, ob jemand mehr Beinschlag braucht, wann er atmen sollte oder wie genau der Arm ins Wasser eintaucht, möchte ich wissen:
Welchen Grundrhythmus schwimmt dieser Athlet überhaupt?
Denn davon hängt vieles andere ab.
Ein Athlet mit einer stark alternierenden, fast windmühlenartigen Armkoordination schwimmt anders als jemand mit ausgeprägtem Front-Quadrant-Stil.
Das beeinflusst unter anderem die Lage der Arme zueinander, die Rotation, den Zeitpunkt der Atmung und die gesamte Dynamik des Schwimmens.
Deshalb sind viele der typischen Diskussionen in sozialen Medien für mich viel zu pauschal.
Zum Beispiel:
Soll ich im Zweierzug oder Dreierzug atmen?
Darauf gibt es ohne weitere Informationen keine sinnvolle Antwort.
Wenn ich nicht weiß, welchen Rhythmus du schwimmst, wie deine Armkoordination aussieht und wie sich die Atmung in deine Bewegung einfügt, sagt die Frage „Zweier- oder Dreierzug?“ fast nichts aus.
Bei einem stärker windmühlenartigen Rhythmus kann eine andere Atemorganisation sinnvoll sein als bei einem ausgeprägten Front-Quadrant-Stil.
Nicht die Atemfrequenz allein entscheidet.
Sie muss zur gesamten Bewegung passen.
Einzelne Fehler korrigieren reicht oft nicht
Das ist aus meiner Sicht eines der größten Probleme bei bereits guten Schwimmern.
Sie haben über Jahre einzelne Korrekturen gesammelt.
Etwas am Ellbogen verändert.
Dann an der Hand.
Dann an der Atmung.
Dann am Beinschlag.
Aber niemand hat irgendwann gesagt:
So funktioniert dein gesamter Kraulstil. Und genau deshalb müssen diese einzelnen Teile so zusammenarbeiten.
Wenn du einen Teil einer Bewegung veränderst, verändert sich häufig auch etwas anderes.
Ein anderer Rhythmus beeinflusst die Atmung.
Eine andere Armkoordination verändert die Rotation.
Eine veränderte Rotation beeinflusst wiederum den Unterwasserzug.
Deshalb muss Technik als Ganzes betrachtet werden.
Genau hier liegt der Wert des Koyawa Kraulkurses
Der Koyawa Kraulkurs ist natürlich so aufgebaut, dass auch ein Anfänger damit Kraulen lernen kann.
Ein guter Triathlet, der bereits eine Stunde über 3,8 Kilometer schwimmt, muss deshalb nicht plötzlich jedes Anfängerprogramm von vorne bis hinten absolvieren.
Der Wert liegt für ihn an einer anderen Stelle.
Der Kurs liefert einen roten Faden.
Du kannst nachvollziehen, wie die einzelnen Teile der Kraulbewegung miteinander zusammenhängen.
Du verstehst, welche Aufgabe eine Übung hat und welche Bewegung damit vorbereitet werden soll.
Und du kannst deine eigene Technik damit vergleichen.
Was mache ich bereits richtig?
Wo habe ich mir über die Jahre eine Ersatzbewegung angewöhnt?
Passt meine Atmung zu meinem Rhythmus?
Passt mein Armzug zu meiner Armkoordination?
Und verstehe ich eigentlich selbst, warum ich so schwimme, wie ich schwimme?
Trockenübungen können erstaunlich viel verraten
Gerade bei guten Schwimmern finde ich einen weiteren Punkt interessant.
Manche Übungen, die auf den ersten Blick sehr einfach aussehen, fallen ihnen an Land überraschend schwer.
Das kann ein Hinweis darauf sein, dass die Vorstellung von der Bewegung und die tatsächlich eingeübte Bewegung nicht ganz zusammenpassen.
Genau deshalb sind die Trockenübungen im Kurs nicht nur für Anfänger interessant.
Ein erfahrener Athlet muss sie nicht stundenlang üben.
Aber er kann damit überprüfen:
Kann ich die Bewegung überhaupt bewusst ausführen?
Wenn schon an Land nicht klar ist, wie eine bestimmte Position oder Bewegungsfolge funktionieren soll, wird sie im Wasser unter Zeitdruck, Widerstand und Atmung kaum automatisch besser.
Der Kurs soll dich nicht in einen Schwimmstil pressen
Dabei ist mir wichtig:
Es gibt nicht den einen Kraulstil, der für jeden Athleten perfekt ist.
Ein Front-Quadrant-Stil kann sehr gut funktionieren.
Eine stärker überlappende oder alternierende Armkoordination ebenfalls.
Entscheidend sind unter anderem Körperbau, Beweglichkeit, Rhythmusgefühl, Kraft, Wettkampfdistanz und die individuellen Voraussetzungen des Schwimmers.
Der Koyawa Kraulkurs soll dir deshalb nicht sagen:
„Du musst exakt so schwimmen.“
Er soll dir helfen zu verstehen:
Wie funktioniert Kraulschwimmen – und wie müssen die einzelnen Teile meiner Technik zusammenpassen?
Erst danach macht es Sinn, den individuellen Stil zu optimieren.
Mehr schwimmen ist nicht immer die Lösung
Kehren wir noch einmal zu unserem 60-Minuten-Ironman-Schwimmer zurück.
Wenn dieser Athlet bereits eine hervorragende Ausdauer besitzt, ist es unwahrscheinlich, dass zehn Minuten allein dadurch verschwinden, dass er einfach immer noch mehr Kilometer schwimmt.
Natürlich braucht auch Schwimmen Training.
Aber irgendwann muss man sich fragen:
Trainiere ich gerade meine Leistungsfähigkeit – oder perfektioniere ich nur meine bestehenden Fehler?
Gerade bei Athleten, die schon viele Jahre schwimmen, können Bewegungsmuster sehr tief verankert sein.
Dann braucht es nicht unbedingt mehr Training.
Es braucht zuerst ein besseres Verständnis.
Mein Rat an gute Triathleten
Wenn du bereits ordentlich schwimmst, betrachte einen Kraulkurs nicht als etwas, das nur für Anfänger gedacht ist.
Du musst nicht jede Anfängerübung hundertmal machen.
Schau dir den Kurs vielmehr mit den Augen eines erfahrenen Athleten an.
Versuche zu verstehen, wie die Bewegung aufgebaut ist.
Teste die Übungen.
Achte darauf, wo dir etwas überraschend schwerfällt.
Und stelle dir immer wieder die entscheidende Frage:
Kann ich erklären, warum ich genau so kraule?
Wenn die Antwort irgendwann klar ist, wird auch die technische Arbeit am Beckenrand viel präziser.
Denn dann korrigieren wir nicht mehr zehn einzelne Fehler.
Wir arbeiten an einem funktionierenden Kraulstil, bei dem Rhythmus, Armzug, Atmung, Rotation und Beinschlag zusammenpassen.
Und genau darin liegt für mich der Unterschied zwischen einfach nur mehr schwimmen – und Kraulschwimmen wirklich verstehen.
